Sieh nicht weg! pop’n’politics auf dem Reeperbahn Festival

Sieh nicht weg!

Unser Format pop’n’politics auf dem Reeperbahn Festival (19. – 22. September in Hamburg) widmet sich Diskursen zwischen Popkultur und Politik. „Sieh nicht weg!“ – ist die klare Botschaft der multidisziplinären Projektplattform, die KünstlerInnen, Aktivisten und Akteuren der Musikbranche die Möglichkeit gibt, sich für eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft auszusprechen. Wir geben KünstlerInnen, die es nicht länger hinnehmen wollen, dass politische Verwerfungen unsere Demokratie infrage stellen, eine Bühne, ein Mikro oder einen Container (den goldenen Hochseecontainer von Shared Studios mit intraktiver Live-Schalte in die ganze Welt).

Das Recap-Video von pop’n’politics 2018:

Musik als  Sprachrohr für gesellschaftliche und politische Themen

Das pop’n’politics-Programm deckt jedes Jahr die Bereiche Konzert, Arts, Film, Education, Word und Konferenz ab und bietet Raum für Begegnungen und kritische Auseinandersetzungen. Wir finden: Musik ist ein gutes Sprachrohr für gesellschaftliche und politische Themen. Ein besonderes Highlight war in diesem Jahr der pop’n’politics Showcase in der Spielbude. Die Marschrichtung gab bei unserem diesjährigen Showcase die englisch-österreichische Riot-Hardcore Band Petrol Girls vor. Mit ihren Texten sensibilisieren sie gerne für die Schwachstellen unserer Gesellschaft: Mit antiquierten Geschlechterrollen, Rassismus und Alltagssexismus gehen sie ins Gericht. Auch die Berliner Sängerin LARY hat sich mit intelligenter Popmusik, die sich nicht an Konventionen der Musikindustrie anpassen und Grenzen testet, einen Namen gemacht. Und dann war da natürlich noch Singer-Songwriter Jim Kroft, der immer auf der Suche nach einer globalen menschlichen Gemeinschaft ist. Jim zog mit seiner Gitarre und einer Kamera um die Welt und herausgekommen ist das Projekt „Journeys“ (und ja, wir sind Fan von ihm!).  Komplett gemacht hat der pop’n’politics Showcase die unangepasste Street-Rapperin Finna aus Hamburg. Ihre Stimme verschreibt sie dem Protest – oder um es mit einem von Finnas Songtiteln auszudrücken: „Musik ist Politik“. Und Politik braucht eine Stimme.

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Salima Drider © Sébastien Perron

Ein Ort der Partizipation und Begegnung war der Multimedia-Thinktank Shared Studios. Das zweite Jahr in Folge haben wir den goldenen Übersee-Container im Festival Village auf dem Reeperbahn Festival aufgebaut. Und damit ein interaktives Portal in andere Welten geschaffen. Mithilfe von Video-Live-Schalten entsteht bei Shared Studios eine interaktive Dialogplattform mit Menschen u. a. in Gaza (Palästina), Kabul und Herat (Afghanistan), Colorado Springs, Ithaca und Milwaukee (USA) sowie mit Mexico City – ganz so, als stünden sie einander direkt gegenüber. Auch Musik steht hier im Fokus des Austausches: Im Container gab es Live-Performances der französischen Rapperin Salima Drider, den Singer-Songwritern Ben Barritt und Jim Kroft sowie von Liedermacher Jo Stöckholzer. Den Auftakt zum Festivalstart macht ein Interview vom Berliner Autor, Kritiker und Moderator Torsten Groß mit Racial Profiling-Aktivist Isaiah Lopez.

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Außerdem war das Screening des Dokumentarfilms MATANGI/MAYA/M.I.A. Teil despop’n’politics-Programm. Die Doku erzählt die bewegende Geschichte der Künstlerin Mathangi „Maya“ Arulpragasam a.k.a. M.I.A. , die mit ihrer Mutter aufgrund von Bürgerkrieg aus ihrer Heimat nach Sri Lanka nach London flüchtete, wo sie Hip-Hop und Streetart für sich entdeckte und zur populären aber kontroversen Pop-Ikone aufstieg. Das überwiegend von Maya selbst gedrehtes Archivmaterial aus 22 Jahren zeigt eindrucksvoll, dass Popmusik ein politisches und mutiges Sprachrohr sein kann.

Vote For Europe!

Auch im Konferenzprogramm des Reeperbahn Festivals war das Format politische Fragestellungen auf: Mit der Frage, wie man Akteuren der Musikbranche auf europapolitischer Ebene eine stärkere politische Kraft geben kann, beschäftigte sich der Talk Vote For Europe mit Christian Ehler (EU Parlament), Christof Huber (Yourope, Schweiz), Elise​ Phamgia (Liveeurope), Holger Jan Schmidt (Take A Stand), Codruta Vulcu (ARTmania). Zum Thema Frauen im Rap diskutierten Soukee, Marina Buzunashvilli (Die Marina), Miriam Davoudvandi (splash!), Salwa Benz (Fritz Radio) mit Journalist Falk Schacht.

pop’n’politics wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und ist ein Projekt des Berliner Fachhandels für Ereignisse in Zusammenarbeit mit dem Reeperbahn Festival in Hamburg.