Neoklassik aus dem Krematorium

Es war nicht nur die Live-Weltpremiere von Luca D’Albertos neuem Album»Endless«, das Konzert am 27.01.2017 in der Kuppelhalle des ehemaligen und ältesten Berliner Krematoriums im Wedding war auch der Auftakt für neoFM, den neuen Neoklassik-Channel des in Kreuzberg ansässigen Radiosenders FluxFM! Gleichzeitig präsentierte das Berliner Label !K7 mit Luca D’Alberto einen frischen Neuzugang auf seinem gerade veröffentlichten Imprint 7K! – eine Submarke, die ab sofort ebenfalls auf das Genre setzt. Es gab also in mehrfacher Hinsicht Anlass zu feiern im Kulturquartier Silent Green!

Luca D’Albertos Kompositionen sind verträumt, melodiös und emotional. Und sie erinnern an Filmmusik. Er selbst beschreibt sein neues Album als Soundtrack des Lebens: »The timeless movie of our lives. A movie which speaks of the never-ending interaction between mankind and feelings«. Auf dem Album hat der Multiinstrumentalist jedes Instrument selbst eingespielt. Im Silent Green aber, präsentierte der Italiener seine Kompositionen als vierköpfiges Ensemble. Anders als es der Rahmen eines klassischen Konzerthauses vorgibt, war die Stimmung gelöst. Der kurze Hinweis, kam dann auch eher mit einem Augenzwinkern: »This is not a normal classical concert, please feel free and do what you want!« Es hatte sich ohnehin schon jeder ein Plätzchen auf dem kalten schwarzen Terrazzoboden in der ehemaligen Aussegnungshalle des alten Krematoriums gesucht, umgeben von Wandnischen, die einst für Urnen vorgesehen waren. Eine schaurig schöne Location! Ein Glas Wein schwenkend steckten die einen die Köpfe zusammen, während andere versuchten die Stimmung für Instagram festzuhalten oder wieder andere mit geschlossenen Augen im Stehen der Live-Performance lauschten.

neoFM heißt also der neuste Streich aus dem Hause FluxFM. Ab sofort gibt es auf dem von Mathi Weck moderierten App-Sender rund um die Uhr kuratierte Musik aus der Neoklassik zu hören. Die Sparte deckt Klassik ab, die auf popmusikalische Tuchfühlung mit modernen Genres wie Electronica, Ambient oder Rockmusik geht und auf moderne Produktionsweisen trifft. Zu hören gibt es Künstler wie Dustin O’Halloran, Max Richter, Ólafur Arnalds, Nils Frahm, Nico Muhly oder Ludovico Einaudi. Ein sehr entspanntes Genre, das durchaus experimentelle Seiten hat, aber leicht zugänglich bleibt und wenn es nach FluxFM Geschäftsführer Markus Kühn geht, »endlich die Brücke zwischen E- und U-Musik« schlägt. Ich bin gespannt, wie sich das Genre Neoklassik in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird. Mich freut es ja immer, wenn sich Klassik der Gegenwart öffnet.

Also Hut ab, für den mittlerweile 20sten (!) Channel in der FluxMusic-App. Es ist ja durchaus ein kleiner Luxus, auf so viele schicke Playlisten zugreifen zu können!

Hört doch mal in Luca D’Albertos erste Single »Wait For Me« rein: