State of the Art(s) – YNT

Es ist die übliche Geschichte unter Profi-Musiker*innen: man kennt sich, man läuft sich immer wieder über den Weg, man schätzt die Arbeit der Kolleginnen und denkt jedes Mal wieder: Wir müssten mal was miteinander machen. Aber der nächste Job im Studio, die nächste Tour oder im Fall der Schlagzeugerin Lizzy Scharnofske womöglich noch der nächste Schauspieljob stehen direkt vor der Tür – und die gemeinsame Band verharrt im Konjunktiv.

So genau beginnt die Geschichte der Trios YNT (gesprochen: Why not?), die ohne Corona und ohne den Lockdown nie eine Geschichte geworden wäre. „Aber plötzlich standen wir komplett ohne Jobs und Tourneen da, waren quasi arbeitslos und hatten jede Menge Zeit“, sagt Keyboarderin Yazzkimo. Der Proberaum von Lizzy kam da gerade recht und entwickelte sich zu einem Bollwerk gegen die Zukunftsangst und den Frust über den abgesagten Festivalsommer.

Lizzy Scharnofske, die man unter anderem durch ihre Rolle als Schlagzeugerin Tina Poweleit aus dem Film „Gundermann“ kennt, stand im März gerade kurz vor einer Premiere im Maxim Gorki Theater, als der Lockdown kam und mit ihm eine Kette von Absagen, die nicht mehr enden wollte. Lizzy, Yazzkimo und Sissi P sind alle Profimusiker*innen. Sie verkörpern geradezu klassisch das, was in der Bundespolitik unter dem leidigen Stichwort zwar einen Namen aber kein wirkliches Verständnis gefunden hat. Ihre Terminkalender waren Anfang des Jahres voll, die Perspektiven gut. Von einem auf den anderen Moment brachen drei Leben zusammen.

„Ich habe natürlich schon überlegt, wie es weitergehen soll und woher das Geld kommt“, sagt Lizzy. „Sogar als Erntehelferin habe ich mich beworben, als es hieß, dass die gesucht werden. Aber da hat sich niemand zurückgemeldet. War wohl doch nicht so dringend.“

Und so konzentrierten sich die drei Frauen auf ihre Kreativität und wuchsen als Band zusammen, da im Gegensatz zum Geld zumindest die Zeit im Übermaß vorhanden war. Und Zeit brauchen sie für ihre intuitive, elektronische Musik, die eher aus Jams und Improvisationen als aus klassischen Kompositionen und Songstrukturen besteht. Sie nehmen sich Themen, abstrakte Begriffe zum Beginn einer Probe vor und entwickeln daraus einen Beat, eine Soundstruktur und holen den Club in ihren Übungsraum in der Lichtenberger Pfarrstraße. „Man vergisst oft, wie wichtig die Musik und das Tanzen für die seelische Gesundheit sind“, sagt Yazzkimo. „Ich merke das zum Beispiel bei meinen Musikschüler*innen, die schon seit so vielen Monaten nicht auf Konzerte oder Tanzen gehen können, wie sehr sie das alles vermissen.“

Foto: Jim Kroft