music and politics – a synergy? Wir brauchen mehr Diskurs(räum)e!

Wir brauchen mehr Diskurs(räum)e

In den letzten Wochen und Monaten begab ich mich mehr oder weniger auf eine intensive digitale Recherchereise für mein zukünftiges Promotionsprojekt, in welchem ich mich grob gefasst mit der Diversitätsförderung in der Berliner Musikszene auseinandersetzen möchte. Dabei bin ich sowohl auf mögliche Potenziale, als auch auf vielschichtige Hindernisse, speziell innerhalb der Berliner Underground-Szene, gestoßen. Folgende Fragen und Erkenntnisse möchte ich mit Euch teilen:

Musik und Kultur sind politisch: dazu zählen auch der Club und der Dancefloor
Seien es Themen wie Gentrifizierung, Diskriminierung, Rassismus und viele mehr: Musikdiskurse sind häufig bis meist politisch verortet

Die Geschichte und Vergangenheit von Musik sind vielschichtig und divers
Ich habe mich zu wenig mit den Hintergründen von Musik auseinandergesetzt und nicht genug reflektiert, wo Musik, die ich z.B. gerne höre wie House oder Techno, ihre Ursprünge hat und mich zu wenig mit der Historie auseinandergesetzt.

Wir brauchen mehr Diskurs(räum)e bzgl. Kultureller Bildung und Aneignung
Kulturelle Bildung ist sehr wichtig und sollte ausgebaut bzw. verbreitet werden: sowohl in der Schulbildung als auch auf Konferenzen, Festivals, in den öffentlichen Medien oder in Form von Statements von Künstler:innen und Kulturbeteiligten (natürlich gibt es schon spannende Projekte und Aktivist:innen, dazu später aber mehr)

Kulturelle Orte der Begegnung müssen zugänglicher und safe(r) für alle Personen unserer Gesellschaft organisiert werden
Wir alle möchten nicht nur wieder an Kulturveranstaltungen wie Konzerten, Festivals und Clubevents teilnehmen, sondern uns auch auf diesen willkommen und wohl fühlen, sicher zu diesen hin und wieder nach Hause gelangen: Einige Menschen genießen dabei mehr Privilegien, andere leider weniger. Wie kannst du dein Privileg nutzen, um positive Veränderung zu erzielen?

Podcasts, Dokus, Zusammenhänge…

Diese Gedanken haben verschiedenste Menschen, Podcasts und Dokus angeregt, die sich mit diesen Zusammenhängen und Fragestellungen auseinandersetzen. Hier sind meine Favorit:innen:

  • Sarah Farina ist Produzentin, internationale DJ und Aktivistin zugleich und beschäftigt sich unter anderem mit Safe(r) Spaces auf dem Dancefloor, z.B. in dem Podcastinterview mit Marlon Hoffstadt oder mit ihrer Komplizin Dr. Kerstin Meißner mit ihrem Projekt Transmission. In Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt haben sie den Podcast Politics of the Dance Floor ins Leben gerufen.
  • Hoe_mies (aka Lucia Luciano und Gizem Adiyaman) sprechen in ihrem Podcast Realitäter*innen mit verschiedensten Menschen über Diversity, kulturelle Aneignung oder Systemrelevanz von Künstler:innen. Zu nicht Corona-Zeiten veranstalten sie inklusive Partys, derzeit könnt ihr ihnen jeden Donnerstag zu ihren Thirstdays live im Online-Format einen Besuch abstatten und mit ihnen vor allem zu Hip-Hop-Beats tanzen.
  • Juba hat 2020 die Kurzdokumentation Assurance veröffentlicht, in welcher sie die täglichen Hindernisse weiblicher* DJs in Nigeria auf dem Dancefloor bzw. darüber hinaus beleuchtet. Daran anlehnend hat sie den Assurance Podcast ins Leben gerufen und spannende Gespräche mit weiblichen* DJs aus Japan, Ägypten und Brasilien uvm. geführt.
  • In dem Podcast The Art of Rave erkundet Becky Hill die Elektronische Musik, ihre Kultur, Historie und Veränderungen im Laufe der letzten Jahre gemeinsam mit ihren jeweiligen Gäst:innen. Zwischendurch bekommst du noch die Möglichkeit, den drei liebsten Tracks der Gäst:innen zu lauschen.
  • Arte Tracks mit Dokus wie z. B. zur Kulturellen Aneignung in der Popkultur – was steckt hinter dem Schlagwort? oder in Kooperation mit den hoe_mies über Frauen* in der Musikbranche.
  • Der Salon zur Wilden Renate hat 2020 eine ausführliche Ressourcenliste mit Büchern und Dokumentationen zum Thema Rassismus erstellt.
  • Der Global Nighttime Recovery Plan, das Bündnis AlarmstufeRot und der Verein Die Vielen sind weitere wichtige Quellen, bzw. Wege um aktiv zu werden, dir Hilfe zu holen oder in Austausch mit anderen Künstler:innen zu treten.

Mich würde interessieren: Was sind Eure Informationsquellen, wenn es um den Zusammenhang von Musik und Politik geht?

 

Foto: © Bongani Ngcobo / Unsplash