State of the Art(s) – Fannie Wilkens

Alt-Hohenschönhausen ist nicht unbedingt das, was man im klassischen Sinn als Szene-Viertel bezeichnen würde. Die Gegend rund um Obersee und Orankesee ist von Kopfsteinpflaster und Einfamilienhäusern samt einer beschaulichen Idylle geprägt. Dass hier einige der bekanntesten Künstler*innen der deutschsprachigen Rockmusik gearbeitet haben und arbeiten, würde man nicht glauben, hingen da nicht die Goldenen- und Mehrfach-Platin- oder ECHO-Auszeichnungen an den Wänden, vergeben für die Erfolge von Silbermond, Silly, Joris oder Udo Lindenberg. An diesen und an vielen anderen Platten hat Ingo Politz mit seinem Partner Bernd Wendlandt und ihrem Valicon Label in den letzten Jahren gearbeitet. Vieles davon ist in der alten Dorfschmiede von Alt-Hohenschönhausen entstanden, wo die Valicon Studios ihre Heimat gefunden haben.

Der Aufbau und die Entwicklung von neuen Talenten ist eine Herzensangelegenheit. Deshalb sitzen wir jetzt mit Fannie Wilkens vor dem Mischpult. Die Sängerin kommt ursprünglich aus der Schweiz, genauer gesagt aus dem Kanton Bern, ist über die USA schließlich in Berlin gelandet und hätte ohne die Musik und ohne Ingo wahrscheinlich nie erfahren, wo Alt-Hohenschönhausen liegt. Sie hat schon für Universal Music Publishing und für Warner Music Schweiz gearbeitet, ist in Shows des Wintergarten Varietés aufgetreten und hat währenddessen immer ihre eigenen Songs geschrieben.

Einen von ihnen, „Wir brauchen mehr“, veröffentlicht sie parallel zum State Of The Art(s)-Projekt. Es ist ein Song für diese ganz besondere Weihnachtszeit 2020, aber es ist kein Christmas Song. Kein Sleighbell-Ring, kein zugefrorener See, keine Romantik von knisterndem Schnee, sondern ein zutiefst ehrlich gemeinter Appell an Menschlichkeit und Zusammenhalt. Sie selbst hat diesen Zusammenhalt in der Valicon-Family gefunden – nicht nur durch den Glauben des Produzenten an ihre Musik und ihre Persönlichkeit, sondern auch schlicht und ergreifend durch das Ziel, regelmäßig im Studio arbeiten und aufnehmen zu können.

Denn ohne die Auftritte ist der Alltag natürlich eingebrochen, haben sich die Routinen der Arbeit von heute auf morgen verabschiedet, ebenso wie das Adrenalin, das jeden Auftritt zu einem besonderen Ereignis macht.

Foto: Jim Kroft