State of the Art(s) – A Panda Do Sol

Im Industriegebiet zwischen Herzberg- und Josef-Orlopp-Straße entstehen die neuen Spiel- und Arbeitsplätze der Kultur in Lichtenberg. Neue Bars, Probenräume, Studios haben hier eröffnet und das Dong Xuan Center sorgt ohnehin dafür, dass immer wieder Straßenbahnwagons voller Menschen hier ankommen, die die Gegend neu für sich entdecken. Das NadaNadi-Studio in der Josef-Orlopp-Straße gehört zu diesen Orten mit neuer Anziehungskraft. Gegründet und aufgebaut wurde das Studio von den beiden Franzosen Florent Chaintiou und François Perdriau, die hier einigen Künstler*innen eine Residenz anbieten und neue Musik aufnehmen können.

Ihr Landsmann Félix Huet hat sofort das Studio als seinen ganz besonderen Lichtenberger Ort identifiziert, als wir ihn gefragt haben, wo wir ihn uns seine Band A Panda Do Sol filmen sollen. Kein Wunder, denn die achtköpfige Band nimmt dort gerade ihre zweite Platte, die EP „Na Lua“ auf, die im Lauf des Jahres 2021 erscheinen soll. Die international besetzte Band hat sich vor vier Jahren in Berlin gegründet. Die Musiker*innen kommen aus Brasilien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Die Lebensmittelpunkte sind quer über die Stadt verteilt, aber Lichtenberg ist das aktuelle Zentrum ihrer Arbeit.

Kein Wunder, denn Auftritte sind nicht nur wegen der Größe der Band momentan nicht möglich. Auch ihre besondere Nähe, die Nähe zum Publikum und der unmittelbare Wunsch zu Tanzen, den der Mix aus afro-brasilianischen Rhythmen, Jazz und populärer brasilianischer Musik auslöst, kann nicht wirklich erfüllt werden. Umso mehr ist die Band zu bewundern, wie sie spät abends bei klirrender Kälte und nach einem langen Tag im Studio noch im Obersee-Park, nahe der geschlossenen Bar am Wasserturm für Außenaufnahmen zusammenkommt und die wenigen Spaziergänger*innen mit ihrem Groove begeistert. Der Trockeneis-Nebel zieht leicht gespenstisch durch den idyllischen Park – die Töne scheinen darauf zu tanzen und an eine andere, wärmere, festlichere Zeit zu erinnern. Oder Hoffnungen zu machen auf das, was nach der Pandemie wiederkommt.

Foto: Jim Kroft